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Die katholische Kirchengemeinde St. Maria Immaculata „schrumpft“. Fakt ist: Der Standort St. Martin wird aufgegeben, neues Zentrum in Meinerzhagen soll St. Marien werden. Dazu müssen laut Pfarrentwicklungsprozess allerdings „neue Strukturen“ geschaffen werden.

 

Aus dem 42 Seiten starken „Votum“, einem Papier von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand, geht hervor, dass alle Beteiligten es für sinnvoll halten, „auch die Kirche St. Marien aufzugeben und an gleicher Stelle einen Neubau zu wagen“. Zum Hintergrund: Der Pfarreientwicklungsprozess des Bistums Essen soll die Weichen für die Zukunft stellen. Lange sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer und eine im ganzen Bistum zurückgehende Zahl der Katholiken stellt auch St. Maria Immaculata mit den Standorten Meinerzhagen, Valbert, Grotewiese, Kierspe und Rönsahl vor enorme Herausforderungen. Diesen zu begegnen, ist ein Ziel des Pfarrentwicklungsprozesses. Und dabei kommen auch die beiden verbliebenen Meinerzhagener Standorte „ins Spiel“.

 

„Immobilien-Zustand teilweise beschämend“

Dass St. Martin – ausgenommen der dortige Kindergarten – keine Zukunft als Pfarrzentrum haben wird, ist schon seit dem Jahr 2016 bekannt. Die Neubau-Pläne in St. Marien werden allerdings erst jetzt intensiver vorangetrieben. Keines der beiden Zentren in Meinerzhagen sei in einem solchen Zustand, dass es in ein nachhaltiges Gebäudekonzept der Pfarrei passe. „Der Zustand der Immobilien und Liegenschaften ist stellenweise beschämend“, heißt es im Meinerzhagener „Votum“, das Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck jetzt formell bestätigte. Er favorisiert allerdings eine andere Lösung: „Sie haben im Rahmen des Entwicklungsprozesses in Rönsahl eine ökumenische Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde zur gemeinsamen Nutzung der Servatiuskirche begonnen. Zu dieser Konzentration und Bündelung der Kräfte bitte ich Sie darüber hinaus, auch für die wichtige Standortfrage in Meinerzhagen sehr ernsthaft alle Möglichkeiten einer gemeinsamen Nutzung der Jesus-Christus-Kirche auszuloten, bevor Neubaupläne entwickelt werden.“

 

„Vorbehalte gegen ökumenische Nutzung“

Im „Votum“ aus Meinerzhagen wird in dieser Hinsicht allerdings noch kein Optimismus verbreitet. Dort heißt es von katholischer Seite: „Das ökumenische Miteinander in Meinerzhagen ist gut. Für die Idee einer ökumenischen Nutzung der alten Jesus-Christus-Kirche als Pfarrkirche beider Konfessionen bestehen auf evangelischer Seite noch Vorbehalte.“

 

Wunsch nach einem engeren Schulterschluss

Wie es nun weitergeht, hängt von den Gesprächen ab, die jetzt noch zum Thema Ökumene geführt werden sollen. In einem Pressegespräch, zu dem Pfarrer Thorsten Rehberg, Ulrich Jatzkowski als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates und Dr. Gabriele Menger als stellvertretende Kirchenvorstands-Vorsitzende eingeladen hatten, wurde Rehberg deutlicher: „Der Bischof wünscht sich, die Möglichkeiten einer ökumenischen Kooperation auszuloten, um Gebäude oder Gebäudeteile miteinander zu nutzen. Vielleicht ist hier ein engerer Schulterschluss möglich.“

 

Entscheidung käme zu früh

Der evangelische Pastor Klaus-Kemper Kohlhase bezeichnete die Ökumene in Meinerzhagen auf MZ-Anfrage als „Herzensangelegenheit“. Hinsichtlich einer gemeinsamen Nutzung der Jesus-Christus-Kirche äußerte er sich so: „Wir selbst sind in der Gemeinde in einem Zukunftsprozess und erarbeiten eine Konzeption. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir deshalb noch nicht über eine gemeinsame Nutzung von Gebäuden entscheiden, weil dieser Prozess eben noch nicht abgeschlossen ist.“ Man bleibe aber in Kontakt. - MZ Artikel vom 7. Mai 2018 von Jürgen Beil

 

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MZ vom 8. Mai 2018 - Ein Bericht von Jürgen Beil

 

In der Pfarrei St. Maria Immaculata leben etwa 7000 Katholiken. Mehr als 3000 von ihnen wohnen in Kierspe, knapp 3000 in Meinerzhagen und etwa 1000 in Valbert.

 

Sie alle sind von dem betroffen, was momentan passiert: „Wie muss sich Kirche verändern, um in Zukunft gut aufgestellt zu sein?“, lautet die zentrale Frage. Damit beschäftigt sich das Pfarreientwicklungskonzept (auch „Votum“), das in Meinerzhagen erarbeitet wurde und das auch die wirtschaftlichen Perspektiven bis zum Jahr 2030 aufzeigt.

 

 

„Die Ausgaben steigen, die Kirchensteuer stagniert. Bis zum Jahr 2020 erwarten wir ein finanzielles Minus von 40 Prozent, noch mal minus 10 Prozent werden bis zum Jahr 2030 dazukommen. Im gesamten Bistum Essen hat sich außerdem die Zahl der Katholiken seit 1958 fast halbiert. Wir müssen reagieren“, beschreibt Pfarrer Thorsten Rehberg die Notwendigkeit für Reformen. Das betrifft natürlich auch und vor allem die „Immobilien“, deren Unterhalt hohe Kosten verursacht. „In den 70er- und 80er-Jahren war das Geld da, es wurde viel gebaut. Jetzt haben wir zu viele Gebäude“, beschreibt Rehberg. 

 

 

Und es gibt Pläne, hier etwas zum Positiven zu verändern. Wie berichtet, soll die Pfarrei St. Martin aufgegeben werden, wie es in St. Marien weitergeht, bleibt abzuwarten. Ob Abriss und anschließender Neubau oder Mitnutzung der evangelischen Jesus-Christus-Kirche, das wird sich noch entscheiden. Der Aufbruch ist jedoch „eingeläutet“. In einer Pressemitteilung der Großpfarrei heißt es, dass nach mehr als zwei Jahren Planen, Überlegen und Diskutieren in den Arbeitsgruppen Finanzen, Demografie, Vision und Gemeindeleben mit der Umsetzung der Zukunftspläne begonnen werden könne.

 

„Im Zentrum steht die Überplanung des Standortes St. Marien als alleiniger Standort in Meinerzhagen“, wird informiert. Langfristig zu erhalten seien die Kirche St. Josef in Kierspe (inklusive Pfarrhaus und Gemeindeheim), St. Maria Magdalena in Grotewiese und der Standort Meinerzhagen. St. Christophorus Valbert soll laut Thorsten Rehberg im Jahr 2030 „noch einmal auf den Prüfstand kommen“. Aufgegeben werden hingegen St. Martin inclusive Pfarrhaus und Gemeindeheim und das Pfarrhaus in Grotewiese. St. Engelbert Rönsahl wurde mitsamt Gemeindeheim bereits geschlossen. Außerdem soll versucht werden, die nicht benötigten Grundstücke und Immobilien zu verkaufen. Wenn das nicht gelingt, könnten Häuser auch vermietet werden. „Dies kann kurzfristig in Angriff genommen werden“, heißt es im „Votum“.

 

 

Und was passiert mit der Kirche St. Martin samt umliegenden Gebäuden konkret? „Der Kindergarten bleibt erhalten. Was aus der Kirche wird, ist noch unklar. Aber ich werde keine Kirche leer stehen lassen, wenn ich nicht weiß, was mit ihr passiert. Wir müssen das nun angehen, aber momentan gibt es nur Gedankenspiele. Fakt ist, dass keine Nachnutzung erfolgen soll, die dem Ansehen der Katholischen Kirche oder der Würde des Gebäudes schaden könnte“, erläutert Rehberg. 

 

 

Generell gilt: „Um das wirtschaftliche Ziel zu erreichen, einen ausgeglichenen Haushalt im Jahr 2030, muss die Pfarrei in den kommenden Jahren den Gebäudebestand weiterentwickeln. Dazu gehören energetische Maßnahmen, Renovierungen, aber auch die Reduzierung von Beständen.“ Wie wichtig das ist, steht in der Pressemitteilung: „Allein für Instandhaltung und Unterhalt der beiden Meinerzhagener Kirchenstandorte würden in den kommenden Jahren rund 2,3 Millionen Euro fällig.“ 

 

 

Außerdem bestehe die Absicht, die drei Gemeinden stärker zusammenwachsen zu lassen, auch wenn man nicht alles bieten könne, was man von der Kirche erwarten dürfe. Konkret möchte die Pfarrei beispielsweise bei der Gestaltung von Gottesdiensten und Katecheseangeboten zunehmend auch auf ehrenamtliche Helfer setzen. Zusammenarbeiten möchte die Pfarrei in Zukunft nicht nur mit den „evangelischen Schwestergemeinden“, sondern auch mit den katholischen Pfarreien im Kreisdekanat: „Im Blick hat die Meinerzhagener Pfarrei hier Synergieeffekte durch eine gemeinsame Organisation der Verwaltung“, heißt es. Man sehe aber noch Klärungsbedarf, weil sich die Zuständigkeiten zwischen Pfarr- und Gemeindebüros jeweils noch unterscheiden würden. „Denkbar wäre für die Pfarrei auch eine Delegation der Verwaltung an das Bistum, um Pfarreien vor Ort zu entlasten“, wird mitgeteilt. 

Kontakt

Pfarrei St. Maria Immaculata
Kampstraße 1
58540 Meinerzhagen

Tel.: 02354 2266
Fax: 02354 13195

pfarrbuero@immaculata.de

Öffnungszeiten Pfarrbüro:
Dienstag & Mittwoch09:30 - 11:30 Uhr
Donnerstag14:30 - 16:30 Uhr